Das von ASELSAN entwickelte MURAD-AESA-Radar gilt als einer der zentralen Bausteine beim Sprung der türkischen Luftstreitkräfte in eine neue Generation. Statt nur „einen alten Radar auszutauschen“, entsteht mit MURAD ein gemeinsames Sensornetz für F-16, unbemannte Kampfflugzeuge wie Akinci und Kizilelma sowie für den zukünftigen Fighter Kaan.
In diesem Artikel erklären wir, was das MURAD-AESA-Radar ist, warum AESA-Technologie so wichtig ist und was sich für Kizilelma und die F-16 im Luftkampf konkret ändert.
1. Was ist MURAD?
MURAD („Nationales Flugzeugradar“) ist eine Familie von Active Electronically Scanned Array (AESA)-Radaren. Varianten wie MURAD 100-A und MURAD 110-A sind als mehrrollenfähige Feuerleitradare ausgelegt, die Luft-Luft- und Luft-Boden-Modi gleichzeitig unterstützen.
Wesentliche Merkmale:
- elektronische Strahlschwenkung ohne mechanische Bewegung,
- viele Solid-State-Sende/Empfangsmodule mit hoher Ausfallsicherheit,
- Mehrzielverfolgung und gleichzeitiger Einsatz von BVR-Luft-Luft-Raketen,
- hochauflösende Bodenkartierung (SAR/ISAR).
2. Warum ist AESA so entscheidend?
AESA-Radare bestehen aus vielen kleinen Sende/Empfangsmodulen, deren Phasenlage per Software gesteuert wird. Dadurch kann:
- der Radarstrahl in Millisekunden in andere Richtungen „springen“,
- das Radar mehrere Aufgaben parallel erledigen,
- das System Störungen und Ausfälle einzelner Module besser verkraften.
Im modernen Luftkampf bedeutet dies:
Wer Ziele früher erkennt, zuverlässiger klassifiziert und länger verfolgt, hat den ersten Schuss – und damit meist die besseren Überlebenschancen.
3. MURAD auf F-16: alte Zelle, neues Herz
Im Rahmen der Modernisierungsprogramme der türkischen F-16 wird das vorhandene Nasenradar durch ein MURAD-Derivat ersetzt. Ergebnis:
- größere Aufklärungs- und Verfolgungsreichweiten,
- echte Mehrzielverfolgung und -bekämpfung,
- verbesserte Präzision bei Luft-Boden-Einsätzen,
- ein nationales Radar, das in Hard- und Software kontrolliert und weiterentwickelt werden kann.
So wird aus der F-16 ein modernisiertes 4+-Generation-Kampfflugzeug, ohne dass eine komplett neue Plattform angeschafft werden muss.
4. Von Akinci zu Kizilelma: MURAD im unbemannten Bereich
MURAD ist bereits auf den unbemannten Plattformen Bayraktar Akinci und Bayraktar Kizilelma geflogen. Dabei wurden:
- auf Akinci erste Luft-Luft-Radarlocks und Tests mit MURAD-100A durchgeführt,
- auf Kizilelma erfolgreiche Leistungstests des MURAD-100A-Radars absolviert, inklusive Manövern mit angehängter BVR-Bewaffnung.
Damit entsteht ein gemeinsames Radarsystem für bemannte und unbemannte türkische Luftfahrzeuge.
5. Kizilelma + MURAD + GOKDOGAN: unbemannter Luftkampf
In neueren Versuchen nutzte Kizilelma ihr MURAD-AESA-Radar, um ein jetgetriebenes Luftziel in mittlerer Entfernung zu erfassen, zu verfolgen und mit einer GOKDOGAN-Luft-Luft-Rakete im BVR-Bereich zu bekämpfen – ein weltweit beachteter Schritt hin zum unbemannten Luftkampf.
Der Beitrag von MURAD dabei:
- das Ziel früh zu entdecken,
- einen stabilen Track aufrechtzuerhalten,
- die notwendigen Daten für die Raketenführung bereitzustellen.
6. MURAD 600-A und Kaan: integriertes RF-System
Auf der fünften Generation TAI Kaan ist eine vergrößerte Variante – MURAD 600-A – Teil eines Integrated RF System (IRFS), das:
- Radar,
- elektronische Aufklärung,
- und elektronische Kampfführung
in einer gemeinsamen Architektur vereint. Radar und EW sind damit keine getrennten „Boxen“ mehr, sondern Elemente eines einzigen RF-Gehirns.
7. Fazit: MURAD als gemeinsames Auge
Zusammengefasst:
- MURAD-AESA wird auf F-16, Akinci, Kizilelma und Kaan integriert und bildet die Basis eines gemeinsamen Radarsystems.
- Es bringt größere Reichweite, Mehrzielverfolgung und bessere Überlebensfähigkeit in EW-Umgebungen.
- In Verbindung mit unbemannten Plattformen wie Kizilelma und BVR-Raketen wie GOKDOGAN öffnet es die Tür zu echten unbemannten Luft-Luft-Einsätzen.
Für BuzzTurk-Leser lässt sich das so zusammenfassen:
MURAD ist nicht nur ein Upgrade, sondern das gemeinsame Auge achter türkischer Kampfflugzeuge – ob bemannt oder unbemannt.


